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 Karelien II
KARELIEN II

Kanufahren in Finnland - Nordkarelien Teil II

Kanufüher von

Bernhard Allgeyer, 2006.

A5-Format, 76 S., 40 Farbfotos, Übersichtskarten.

Gewicht: 164 g; Einband: weich, Ringbuch/Plastikbinderücken.

EUR 8,80 (inkl. 7%MwSt.)

Aus dem Buch:

Einführung:

KARELIEN - Ein unbekanntes Kanuparadies

Die an Russland grenzende Provinz Karelien bietet viele schöne und einsame Wasserstrecken. Viele dieser Routen wurden in früheren Zeiten als Flößerrouten genutzt. Auch der Transport des in den Wäldern gewonnenen Teers spielte lange Zeit eine wichtige Rolle auf den karelischen Wasserwegen. Häufig werden die Routen durch Seen unterbrochen, bevor es wieder auf einen Flussabschnitt geht. Also alles in allem, sehr abwechslungsreich.

Von Tagestouren bis zu Touren von einer Woche Länge ist alles möglich.

Die Touren können auch abschnittsweise gefahren werden. Es gibt immer wieder eine Straße oder einen Waldweg, wo die Tour unterbrochen werden kann. Ein besonderer Tipp ist, eine Hütte in der Nähe zu mieten und dann die Touren zu fahren. Man kann sich abends schön am Kaminfeuer und in der Sauna von den Strapazen des Tages erholen, und ein Regentag kann auch mal ausgesessen oder zu anderweitigen Aktivitäten genutzt werden.

Die hier vorgestellten Paddelrouten sind:

  • Jogunjoki, 68 km
  • Lieksanjoki, 50 km
  • Viekijoki, 40 km
  • Vaikkojoki, 93 km
  • Ala Koitajoki, 18 km
  • Koitajoki, 63 km
  • Koitere Seenfahrt, 40 km

Der Jogunjoki ist ein Wildwasserfluß mit 38 Stromschnellen. 30 davon WW Stufe I, 7 sind WW II und eine WW III. Vor allem bei Hochwasser sind die Schnellen sehr rasant – besonders die Schnelle Niskakoski im Hiidenportti Canyon hat es dann in sich.

Der Lieksanjoki fürht von dem kleinen Weiler Matoniemi, direkt an der Sperrzone zu Russland gelegen, zuerst sehr gemächlich den Lieksanjoki hinab in den Ruunaanjärvi. Am Ende des Sees wartet, nach einem 180 Grad Richtungswechsel, ein gänzlich anderes Szenario: Die Ruunaa Schnellen.

Auf 31 km kommen sechs Stromschnellen WW IV. Sehr rasant und mit garantierter Dusche. Vorsicht, hier verkehren auch große Touristenboote die Stromschnellen hinab. Dies ist alles Teil des Ruunaa Naturschutzgebietes mit gut ausgebauter Infrastruktur. Nach den Stromschnellen geht es dann wieder gemächlicher auf dem Naarajoki, Mukajoki der Stadt Lieksa entgegen.

Der Viekijoki, ca. 15 km östlich von Nurmes gelegen, ist ein ganz ruhiger Wildnisfluß, der zwischen den Wäldern dahinmäandert. Durch viele Biegungen und Windungen bringt es der Viekijoki auf 40 km Wasserlauf, und auf der Straße sind es lediglich 12 km. Leichte Schnellen, aber öfter umgestürzte Bäume, die den Fluß blockieren.

Der Vaikkojoki ist eine alte Flößerroute, heute allerdings nicht mehr als solche benutzt, und die Natur holt sich ihren Fluß wieder zurück. Hier gibt es 31 mehr oder weniger starke Stromschnellen. Bei höherem Wasserstand werden drei Schnellen als WW III eingestuft, 14 Schnellen in WW II. Der Rest ist manchmal als solche gar nicht erkennbar, außer dass das Wasser einige Wellen wirft. Die Tour führt durch unbesiedeltes Gebiet. Moore, Wälder und Seen wechseln sich ab. Hier gibt es auch noch Wölfe und Bären.

Der Ala-Koitajoki ist der Oberlauf des Koitajoki und auf einem Abschnitt von ungefähr 18 km befahrbar, bevor er nach Russland entschwindet um als Koitajoki später weiter südlich wieder nach Finnland zu kommen. Dies ist, wie der Viekijoki, ein ruhiger schmaler Fluß, der einige leichte Schnellen aufweist. Die größte Herausforderung hier ist die Bewältigung evtl. blockierender Baumstämme.

Der Koitajoki ist die Fortsetzung des Ala-Koitajoki, nur wesentlich breiter und mit gemächlicher Strömung. Führt an landschaftlich schönen Moorgebieten entlang und hat lediglich eine erwähnenswerte Stromschnelle. Schön angelegte Rastplätze am Ufer machen diesen Fluß zu einer angenehmen Tour.

Die Koitere Seenfahrt ist ein Paddelvorschlag, der von einer Anfahrt im Süden, die Koitajoki Tour kreuzt. In der Fortsetzung dieser Tour gelangt man in den großen Koitere See, in welchem es unzählige Paddelalternativen gibt.

In der gesamten Gegend gibt es ebenfalls sehr schöne Wanderstrecken. Sie sollen nicht unerwähnt bleiben, vor allem die Strecke Karhunpolku über 135 km vom Patvinsuo Nationalpark zur Teljobrücke bei Kuhmo. Außerdem ist der 90 km lange Kolinpolku Wanderweg von Joensuu nach Koli am Pielinensee erwähnenswert. Längs der Wege  sind zahlreiche Feuerstellen und Schutzplätze angelegt. Das gilt auch für den Tapion Taival Wanderweg, der zum Teil parallel zum Ala-Koitajoki führt.

Und noch etwas muß erwähnt werden: In den letzten Jahren ist die Zahl der Braunbären in diesem Gebiet stark angestiegen. Gerade in Karelien hat sich ihre Zahl enorm vergrößert, so dass sie wieder bejagt werden. So wurden im Jahr 2003 29 Bären erlegt. Es sind äußerst scheue Tiere, die einer Begegnung mit dem Menschen immer aus dem Weg gehen. Meist machen sie sich schon lange aus dem Staub bevor wir sie überhaupt erst bemerken. Trotzdem sollten einige Vorsichtsmaßregeln beachtet werden.

Regel 1: Essensreste verbrennen oder in sicheren, luftdichten Behältern verstauen. Vorräte nicht im Zelt aufbewahren. Vorräte ebenfalls in luftdichten Behältern aufbewahren.

Regel 2: Sich keinem Bärenjungen nähern, auch wenn sie noch so putzig und drollig erscheinen. Mamabär ist garantiert nicht weit weg. Und die kennt keinen Spaß!

Regel 3: Sollte es doch zu einer Begegnung mit einem Bären kommen, dann ruhig bleiben und beruhigend mit dem Tier sprechen. Keine hastigen Bewegungen und langsam rückwärts gehend aus der Gefahrenzone entfernen. Dem Bären immer einen Fluchtweg offen lassen, ihn nicht in die Enge treiben. Evtl. hilft ein Antibärenspray vom Outdoorausrüster. Der Autor hat aber keine Erfahrung damit.

Ich möchte hier auf keinen Fall Angst oder Besorgnis schüren, aber es ist in den letzten Jahren in Finnland zu einigen Todesfällen durch Bären gekommen. Aus eigener Erfahrung in Kanada kann ich allerdings sagen, dass die Bären , wenn man sich wie oben beschrieben verhält, sehr schnell die Flucht ergreifen. Mehr möchte ich vor Elchmüttern mit Kälbern warnen. Hier gilt ebenfalls die Empfehlung: So schnell wie möglich sich in sicheren Abstand dazu bringen.

Wildwasser

Die hier vorgestellten Touren weisen unterschiedliche Schwierigkeitsgarde auf. Ob eine Stromschnelle – denn um solches Wildwasser handelt es sich meist in Karelien – durchfahren werden kann, hängt zum einen vom individuellen Können, zum anderen vom Bootsmaterial und der Ausrüstung ab. Die meisten Schnellen können vom Ufer aus besichtigt werden. Empfehlenswert ist es vor allem für die mit Stufe III und aufwärts klassifizierten.

Weiter spielt bestimmt eine Rolle, ob man mit Gepäck oder ohne unterwegs ist. Die Klassifizierungen der Stromschnellen hängt in Karelien stark vom Wasserstand ab. Bei Niedrigwasser sind einige Stellen aufgrund der im Wasser befindlichen Steine nicht fahrbar. Oft handelt es sich bei den angegebenen Stromschnellen um alte Flößergassen mit einer am Ufer befindlichen Palisaden- oder Steinwand. Meist muß an diesen Stellen damit gerechnet werden, dass die Strömung zu dieser Wand führt. Manchmal hilft auch kräftiges Korrigieren nichts, und es muß mit einer seitlichen Kollision gerechnet werden.

Jogunjoki: WW I-III

Lieksanjoki: WW III-IV

Viekijoki: WW I

Vaikkojoki:WW I-III

Ala-Koitajoki: WW I

Koitajoki: WW I

Koitere, Palojärvi: ------”

© Copyright 2009 by L. Allgeyer Verlag