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Die folgende Geschichte ist kein Auszug aus dem o.g. Titel, beschreibt aber einige Ereignisse während einer Tour auf dem Big Salmon River bei Hochwasser.
„Eine alte Bekannte, Teilnehmerin an vielen unserer Flußexkursionen, wurde von den eher ereignislosen und recht ruhigen Flußfahrten, an denen sie bei uns mehrere Jahre teilgenommen hatte, ein bißchen übermutig. Trotz meiner Entmutigungen und standhaften Ablehnungen, bat sie um eine Fahrt auf dem Big Salmon River. In einem Moment der Beschwichtigung habe ich dann doch einer Fahrt auf dem Fluß zugesagt, und zwar noch ganz früh; Anfang Juni. Ich hatte mir diesen Zeitpunkt nicht ausgesucht. Es war aber der einzig mögliche Zeitpunkt meiner europäischen Bekannten. Um das Ganze noch schlimmer zu machen als es schon war, war dies eine Solofahrt mit dem Kanu. Meine Bekannte war Anfang 60, physisch fit, aber von den normalen Gebrechen, die uns das Alter zuteilt, geplagt. Die Knie wollen nicht mehr so richtig, die rechte Schulter schmerzt bei Belastung, und die Kanusitze werden im Laufe der Fahrt immer härter.
Big Salmon River führte Hochwasser und war schnell. Trotzdem hatten wir einen tollen Start. Oft mußten wir unseren ziemlich engen Kanal mit zwei bis drei großen Baumstämmen teilen, die den Fluß, mit der gleichen Geschwindigkeit wie wir, herunterflitzten. Am dritten Tag unserer Fahrt, als wir gerade durch eine S-Kurve in diesem Abschnitt des Flußes kamen, versperrte uns ein großer, treibender Baumstamm, der sich quer über den Fluß gelegt hatte, komplett den Weg. Beim Analysieren der Situation, rief ich meinem leicht schwerhörigen Kompagnon am Bug Befehle zu. Einige korrigierende Paddelzüge wurden auf gut Glück ausgeführt. Ein Verfangen in den großen Treibholzhaufen, mitten in der Kurve, war unvermeidlich. Es gelang mir gerade noch, mich auf den Holzhaufen zu werfen und meinen Passagier aus den Klauen der Strömung zu zerren, bevor das Kanu in der Tiefe verschwand. Aus Instinkt war es mir auch gelungen, das Paddel festzuhalten und bei meinem schnellen Ausstieg aus dem Kanu, das Reservepaddel an mich zu reißen, obwohl ich eigentlich nicht wußte, wozu ich sie in diesem Moment noch brauchen sollte.
Als das Adrenalin aufgehört hatte zu pumpen, war die Einschätzung unserer Lage nicht gerade aufmunternd. Wenn Du Dir zwei leicht nasse und verschmutzte Personen vorstellen kannst, die, auf einem Holzhaufen sitzend, von tobenden Wassermassen umgeben, ausgerüstet mit nur ein bißchen mehr als das Notgepäck und zwei Paddel, zusehen, wie ihr Kanu samt Gepäck um die nächste Kurve verschwindet, dann kannst Du verstehen, daß wir von unserer unbehaglichen Situation völlig unberührt waren.
Da beide von uns Raucher sind und so fürsorglich gewesen waren, diese sehr wichtigen Sachen, direkt am Körper zu tragen, gab es nichts besseres zu tun, als sich hinzusetzen und die Lage in beruhigenden Nikotinwolken zu erfassen. Wahrscheinlich können nur andere Raucher das tröstende Gefühl dieser Aktivität, mitten in einem Chaos, nachvollziehen.
Das Kanu steckte knapp zwei Meter unter der Wasseroberfläche an den aller untersten Baumstämmen des Holzhaufens fest. Seine Konturen und unsere orangefarbenen, wasserfesten Packsäcke waren gerade noch erkennbar.
Ich schwöre es, daß diese Geschichte wahr ist. Unerschrocken packte ich nonchalant einen der kleineren Äste des Treibholzhaufens, angelte damit das Bugseil des Kanus aus dem Wasser, machte es an einem Wurzelwerk, von denen es reichlich Auswahl gab, fest. Dann nahm ich einen etwas dickeren Pfahl von etwa fünfzehn Zentimetern Durchmesser, den ich ins Wasser unter das Kanu schob und als Hebelarm benutzte. Da geschah ein Wunder! Das Kanu schoß aus dem Wasser, soweit das Seil reichte, warf die Gepäckstücke ins Wasser, machte, mitten in der Luft mehrere graziöse Pirouetten und landete, entwässert und mit der richtigen Seite nach oben, im Wasser vor meinen Füßen! Obwohl ich versuchte, mein Staunen über diese erfreuliche Wendung zu verbergen, sah mein Kompagnon ein, daß dieser überwältigende Erfolg beim Angeln etwas ganz besonderes war. Aber ohne den Kopf zu verlieren, gratulierte sie mir nur mit einem würdigen ‚Ooh!‘.
Das Kanu, leicht demoliert, war wasserdicht geblieben. Wir konnten also unsere gefährliche Fahrt wiederaufnehmen, natürlich ohne einige der Gepäckstücke, die zuoberst im Kanu verstaut gewesen waren. Etliche Meilen flußabwärts fischten wir unter ziemlich haarsträubenden Strapazen die wasserfesten Packsäcke aus dem Wasser heraus. Ihr Inhalt war unbeschädigt und trocken.
Einige unserer ‘Salmon-Ereignisse’ sind meiner Bekannten und mir in liebvoller Erinnerung geblieben. Sie waren zweifellos beinahe Katastrophen, die mehr hätten verursachen können, als daß nur ein Paar notwendige Sachen verlorengingen.“
Gus Karpes |